7.-9. Dezember Anreise und erster Tag in Sydney

Wenn einer eine Reise tut.....

.....dann kann er was erzählen

 

Ja, dem ist tatsächlich so. Eigentlich dachte ich mir, dass es für Euch langweilig werden könnte, wenn ihr mich zum X-ten Mal (habe kurz nachgerechnet, es ist das 12. Mal innert 11 Jahren) nach Sydney begleitet.

Aber schon der Flug hat gezeigt, dass es immer etwas zu berichten gibt, auch wenn es dieses Mal zu Anfang meiner Ferien nichts schönes ist. Ich war zwar nicht selber involviert, aber es hat mich mental sehr berührt.

Aber alles der Reihe nach....

Nachdem seit einer Woche vor allem auf der Blick-Plattform darüber berichtet wurde, dass es am Flughafen Zürch grosse Wartezeiten bei den Sicherheitskontrollen gibt (Die eine Etage ist gesperrt, da sie mit den neuesten Technologien ausgerüstet werden), habe ich kurz geprüft, ob ich auch genug Zeit eingerechnet habe.

Wie gewohnt, bin ich nach meiner Zeitrechnung 3 1/2 Stunden vor meinem Abflug in Zürich, was reichen muss. Ich kann soweiso den Koffer nicht eher aufgeben, da der Schalter der Emirates nicht eher öffnet.

Ich bin wieder mit Postauto und Zug unterwegs und es ist noch dunkel, als ich in Hofstetten Milchhüsli aufs Postauto warte.

Da ich ein Sparticket für den Flugzug (Direkte Verbindung Basel-Flughafen Zürich) gebucht habe und am Wochenende nur ein Postauto pro Stunde von Hofstetten aus fährt, bin ich sehr früh am Bahnhof in Basel und habe genügend Zeit für ein kleines Frühstück. Ich probiere das Kaffee Bakery Bakery auf der Passerelle aus und sehe erst nach der Bestellung, dass ich in einem Veganen Kaffee gelandet bin (hätte ich das nicht bemerkt, ich hätte die Wienerli im Teig tatsächlich für "echt" gehalten.

Es gibt auch keinen Latte Macchiato, dafür - stellt Euch vor: einen Flat White.

Das habe ich jetzt also in der Schweiz tatsächlich noch nirgends gesehen und es stimmt mich doch schon richtig toll auf meine Zeit in Australien ein.

Dann gehts auch schon bald los Richtung Zürich.

Ich empfehle jedem, der zu einem Fixen Zeitpunkt igendwo mit dem Zug hin muss, schon so früh als möglich nach einem Sparticket ausschau zu halten. So fährt man dann für kleines Geld sogar in der 1. Klasse.

Mir wurde schon mehrfach gesagt, dass das dann doof sei, weil man ja fix den einen Zug nehmen muss, für den das Ticket gilt. Aber das muss ich ja auch, wenn ich einene Flug buche, weshalb also nicht für den Zug. Mein Ticket dieses Mal hat schlappe 17 Franken gekostet, voll das Schnäppchen.

Und ja, erster Halt: Rheinfelden - ich lerne gerade, meinen Blick auf die Zukunft zu lenken - mehr dazu warscheinlich gegen Ende meiner Ferien.

In Kloten angekommen, marschiere ich gleich zum Schalter von Emirates und gebe meinen Koffer auf. Es hat noch keine Schlange, ich bin eine der Ersten die eincheckt.

Anstatt jetzt rumzutrödeln und im Food Corner noch etwas zu schnabulieren, begebe ich mich gleich zur Sicherheitskontrolle. Bin froh, wenn ich da zügig durch bin, danach kann ich es dann locker nehmen.

Es hat tatsächlich eine recht lange Schlange, aber es geht ständig vorwärts. Und ja, man braucht definitiv mehr Zeit, aber ab Montag (also bereits gestern) sollte alles fertig sein.

Das Wetter ist wirklich scheusslich, ich glaube es regnet nur einmal.

Nach dem Boarding bleibt der Platz neben mir tatsächlich frei und ich freue mich, etwas mehr Platz zu haben. Der Flieger ist zwar recht gut gefüllt, aber ich habe mich entschieden, wie beim Rückflug im Sommer ganz hinten zu sitzen. Diese Plätze sind nicht so begehrt, da man unter den letzten ist, die nach der Landung aussteigen. Was mich nicht wirklich stört, die Reisezeit insgesamt bleibt sich ja dieselbe.

Nachdem wir pünktlich in Dubai gelandet sind, finde ich das Restaurant wieder, in welchem ich die letzten Male meine Pause genossen habe. Dieses Mal bestelle ich mir ein Sushi - voll lecker.

Vie Zeit bleibt nicht und es geht zum nächsten Boarding.

Auch dieses Mal sitze ich ganz hinten und hey, voll cool: ich habe die ganze 4er Sitzreihe für mich, was bedeutet: ich werde die nächsten Stunden SCHLAAAAFEN. 

Das hatte ich zum letzten Mal vor 10 Jahren auf dem kürzeren Flug von Dubai zurück nach Zürich.

Bis die Türen geschlossen werden, bin ich am zittern, ob nicht doch noch jemand kommt, aber ich bleibe alleine.

Auch sonst ist der Flieger hier nicht ausgebucht und es haben einige die Möglichkeit, es sich gemütlich zu machen.

Als nach dem Start das Anschnallzeichen erlischt, klappe ich alle Armlehen hoch, schnappe mir zwei der kleinen Kissen, drapiere mein Nackenkissen darauf und kann so tatsächlich ausgestreckt schlafen.

Von den 14 Stunden in der Luft verschlafe ich mindestens 10. 

Als man mich weckt fürs erste Essen, winke ich ab und setzte mich erst auf, als die Zwischenmahlzeit - ein kleines Stück Pizza Margharita - serviert wird. Kurz aufs Klo und weiterschlafen. So gehen die Stunden tatsächlich schnell vorbei.

Und dann passierts: Wir haben noch ca. zwei Stunden vor uns, als ein paar Reihen vor mir eine Hektik ausbricht. Erst ist nicht klar, was da vor sich geht. Stewards rennen an mir vorbei und kommen mit Notfallkoffern und Defibrillator zurück, Schaulustige stehen auf und dadurch im Weg (in solchen Momenten kann ich nur den Kopf schütteln).

Bald darauf die Durchsage des Piloten, die man eigentlich nur aus Filmen kennt: Ist ein Arzt an Board...

Nach längerem kommt dann tatsächlich eine hübsche jüngere Frau in elegantem Kleid - vermutlich aus der 1. Klasse - herunter und kümmert sich.

Ich bekomme alles etwa 10 Sitzreihen weiter hinten mit und das Ganze berührt mich sehr.

Erinnert es mich doch einmal mehr, wie dankbar dass ich sein darf, dass auf der Reise im letzten Jahr mit Felix alles so gut geklappt hat und wir nicht in einer ähnlichen Situation gesteckt haben. Mit all seinen Vorerkrankungen war das einer meiner grössten Sorgen, dass auf den Langstreckenflügen etwas passiert.

 

Ich schaue auf die Flugroute und sehe, dass wir vor kurzem Adelaide überflogen haben und denke mir noch, dass Melbourne eigentlich näher wäre...

 

Die Person, die den Notfall hatte, war ein Mann, der scheinbar mit Frau, Tochter und deren Baby unterwegs war. Mein Taxichauffeur, der mich anschliessend in mein Hotel gebracht hatte, meinte, er habe gehört, es sei eine Indische Familie, die betroffen sei.

 

Die Reanimation hatte anfänglich Erfolg und unser Pilot informierte uns, dass wir einen Notfall an Bord hätten und da es näher sei, fliegen wir nach Melbourne um dort eine Zwischenlandung zu machen.

Eine Frau vor mir meinte dann, dass wir warscheinlich anschliessend nicht mehr nach Sydney fliegen würden, da der Flughafen Sydney Kingsford Smith um Mitternacht schliesst.

Alle rund um mich bleiben erstaunlich gefasst und keiner ärgert sich (jedenfalls nicht sichtbar). Ich glaube in so einem Moment fühlt man mit der Familie und ist irgendwie froh, dass es nicht einen selber betrifft - auch wenn das jetzt irgendwie egoistisch klingt.

Ich selber werde schon seit Beginn meiner Reise immer wieder von meinen Gefühlen eingeholt. Vielleicht auch deshalb, weil ich in den 10 Wochen in denen Felix nicht mehr da ist, einfach immer viel zu erledigen und organisieren hatte. Nun habe ich viel Zeit, mich mit der Wirklichkeit auseinander zu setzen und auch wenn es weh tut, glaube ich, brauche ich das um dann wirklich nach vorne Blicken zu könen.

 

Ich mache mir auch Gedanken, wie die Reise weitergeht und ich verfasse schon mal ein Whatsapp an Tina mit der Bitte im Hotel in Sydney für mich anzurufen und zu sagen, dass ich evtl. erst einen Tag später anreise.

Verschicken kann ich das erst, wenn wir am Boden sind. Aber das ist dann ja noch früh genug.

 

Ich sehe, dass sich an der Situation etwas verändert, die Frau schreit hysterisch um sich und als ich auf dem Bildschirm die Reiseroute beobachte sehe ich, dass das Flugzeug kurz vor der Landung in Melbourne wieder die Richtung ändert und nach Sydney fliegt.

Es wird schnell klar, dass aus dem medizinischen Notfall ein Todesfall geworden ist und kein Grund mehr besteht, in Melbourne zu landen.

Kurz darauf informiert uns auch der Pilot - es ist schrecklich.

Ich lösche mein Whatsapp an Tina und fülle die obligate Einreisekarte aus, die uns eine der Stewardessen in der ganzen Hektik noch kurz verteilt hat.

Wir werden also mit einer Verspätung von ca. einer halben Stunde nun doch wie geplant in Sydney landen.

Nach der Landung informiert uns der Pilot, dass wir bitte alle sitzenbleiben sollen, bis die Leuchte fürs Anschnallen erlischt. Er erkärt uns, dass wir das Flugzeug nicht verlassen dürfen, bis die Sanität ihre Arbeit gemacht hat und vor allem auch, bis die Polizei - die bei einem Todesfall ja auch hinzugezogen wird - uns gehen lässt.

Wir bleiben also alle sehr betroffen sitzen und es halten sich auch wirklich alle an die Anweisungen. Die Sanität kümmert sich vor allem auch um die Angehörigen und als dann die Polizei zu sechst in Vollmontur ins Flugzeug kommt, wird die Situation schon sehr surreal.

Nach über einer Stunde am Boden lässt man uns dann das Flugzeug verlassen - eine sehr spezielle Stimmung, die man nicht so schnell vergisst.

Die jungen Stewardessen, die einen sonst immer mit einem lächeln und netten Worten verabschieden, sind alle sehr bedrückt und keiner weiss so genau, wo er hinschauen soll. 

Ich bin froh, aus dem Flugzeug zu sein. Der Flughafen ist ausser den Passagieren meines Emirates-Flugs schon ziemlich menschenleer und wir werden zackig durch die Passkontrolle geschleust.

 

Die Koffer sind schon auf dem Band am Runden drehen und so geht alles sehr schnell.

 

Draussen stehen noch ein paar einsame Taxis und ich erwische einen netten Chauffeur, der mich (warscheinlich etwas überbezahlt, aber das war mir dann schlussendlich egal) in mein Hotel in The Rocks bringt.

 

Zum Glück haben die eine 24-Stunden-Rezeption und ich bin froh, so schnell als möglich in mein Zimmer und unter die Dusche zu kommen.

 

Geschlafen habe ich ja diese Mal im Flugzeug und so bin ich recht fit (vielleicht zu fit für die Uhrzeit), aber so kann ich noch gemütlich mit meiner Schwester Claudia per Whatsapp telefonieren, da ich das Erlebte unbedingt erzählen muss - einer der Punkte, die das "Alleine Reisen" halt so mit sich bringt.

Ich war ja schon im Sommer in diesem Hotel. Es ist zwar alt und bräuchte vielleicht die eine oder andere Renovationsmassnahme, aber es ist sauber und liegt einen Steinwurf weg von meiner Lieblingsecke in Sydney, dem Circular Quay.

Auch das Badezimmer ist in die Jahre gekommen, aber es ist Zweckmässig.

Eigentlich habe ich ja seit meinem kleinen Stück Pizza Margharita nichts mehr gegessen. Nach Mitternacht wollte ich auch nicht mehr raus und in der Minibar lagen nur 6 kleine Kaffeerähmli. Ich habe mir dann einfach noch einen Koffeinfreien Kaffee gekocht und hoffte, bis zum nächsten Morgen nicht zu verhungern.

 

Verhungert bin ich nicht und habe sogar bis 10 Uhr geschlafen.

Mein erster Gang galt der Apotheke, wo ich meine Australische Sonnencreme, die mir Tina empfohlen hat, gekauft habe. Erst danach gings dann zum Frühstücken.

Es hat Morgens um 10 Uhr übrigens schon 30 Grad - schon ein wenig ein Temperaturschock, aber morgen soll das Wetter eine Wendung machen und ich bekomme wohl etwas Regen ab die nächsten Tage.

Ich gönne mir einen Wrap (und nein, der kam nicht so, ich habe schon abgebissen bevor das Foto entstanden ist.

Als Aussicht gibts ein Kreuzfahrtsschiff anstatt die Oper, aber das fährt heute gemäss Plan am Nachmittag wieder weg.

Sydney, Fährschiffe und Manly sind für mich dreu sehr wichtige  Begriffe. Da es die nächsten Tage nicht so schönes Wetter geben soll, setzte ich mich nach dem Essen gleich auf die Fähre und los gehts nach Manly.

Es ist heute nicht ganz so klares Wetter, es ist etwas dunstig, aber ich füge hier trotzdem ein paar Fotos von der Überfahrt ein.

Ist der Strand in Manly im Winter fast leer, tummeln sich jetzt im Sommer viele Sonnenhungrige. Alles ist viel belebter und es gibt an jeder Ecke etwas zu sehen.

Da ich mich nicht gleich in die pralle Sonne legen will (geht auch nicht mehr ganz so graziös mit Absitzen und Aufstehen, hihi), ergattere ich mir einen Platz an einem der Barbecue-Tische und mache es mir mit Ereader und Wasser gemütlich.

Es war einfach herrlich in den Tag hineinzuleben, nichts zu tun und zu geniessen. Von der Rückfahrt gibts keine Fotos, da der Fährservice im Moment durch die Konkurrenzfirma Sydeny Fast Ferrys unterstützt wird und ich eine solche Fähre erwischt habe. Da kann man dann nicht so schön seitlich draussen im Schatten sitzen sondern entweder auf dem Oberdeck in der prallen Sonne oder drinnen.

Danach gabs am Circular Quay einen Aperol Spritz und da sich nun doch langsam ein kleines Hüngerchen breit machte, meine ersten Fish'n Chips in diesen Ferien.

Nach einem gemütlichen Spaziergang durch The Rocks zurück zu meinem Hotel bin ich froh, habe ich den Schritt gemacht und meine letzten 15 Ferientage vom 2025 in Australien zu verbringen. Es tut gut hier zu sein und ich bin auch froh, habe ich mich entschieden, trotzt allem wieder meine Reiseberichte zu schreiben.

Liebe Grüsse Karin